Mit cleveren Algorithmen entstehen neue Service-Angebote aus Geodaten – Forschungsprojekt »GEISER« präsentiert sich auf der CeBIT 2017

Presseinformation / 9.3.2017

Geodaten sind der wichtigste Rohstoff für ortsbezogene Dienste. Wo finde ich wann einen Parkplatz, wo halten sich wann kaufgeregte Kunden auf und wann ist der ideale Zeitpunkt, einen Serviceauftrag bei Kunden auszuführen. Das Forschungsprojekt »GEISER« soll solche Probleme künftig lösen. Das Team des Fraunhofer-Instituts für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS entwickelt dazu einen Algorithmus, der Verkehrslage und Parkplatzsituation anhand von Geodaten der Fahrzeuge ermittelt und prognostiziert. Auf der CeBIT vom 20. bis 24. Februar 2017 stellen die Forschungspartner am Stand des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie BMWi in Halle 6 auf Stand C40 die ersten Konzepte und Demonstratoren vor.

Ein Konsortium aus Großunternehmen, kleinen und mittleren Unternehmen sowie Forschungseinrichtungen entwickelt hier eine offene, cloudbasierte Plattform, welche Datenmassen aus den unterschiedlichen Quellen, aber mit gleichem oder ähnlichem inhaltlichen, räumlichen oder zeitlichen Bezug sammelt und für diverse Serviceangebote bereitstellt. Die GEISER-Plattform soll Unternehmen künftig in Echtzeit mit marketingrelevanten Geodaten versorgen.

 Als einer der Projektpartner ist das Fraunhofer IAIS für die Datenanalyse und -visualisierung zuständig. Für den virtuellen Parkplatz-Assistenten arbeiten die Wissenschaftler mit dem Unternehmen TomTom zusammen. Der Hersteller von Navigationssystemen sammelt anonymisierte Bewegungsdaten der Nutzer. Anhand von Bewegungsmustern lassen sich aus diesen Daten erfolgreiche und erfolglose Parkplatzsuchen ableiten. Die Software erstellt anhand dieser Daten eine Vorhersage über die Parkplatzsituation und leitet diese an die GEISER-Plattform weiter. Anschließend können alle Informationen gebündelt und einem Parkplatzsuchdienst für Navigationsgeräte und Smartphones bereitgestellt werden.

»Unser langfristiges Ziel ist es, die Daten in Echtzeit zu analysieren und einen reibungslosen Einsatz im Auto zu ermöglichen. Das System soll dabei dynamisch sein: Ist bei der vom Assistenten vorgeschlagenen Position kein Parkplatz mehr frei, wenn das Auto eintrifft, erhält der Fahrer automatisch eine neue Option«, erklärt Prof. Jens Lehmann, Projektleiter beim Fraunhofer IAIS.

Datengetriebenes Geomarketing

Parkplatzdaten sind auch relevant für das lokale Marketing: Wollen Unternehmen erfolgreich sein, müssen sie ihr Waren- und Serviceangebot sowie die Werbe- und Marketingstrategie, ihre Öffnungszeiten und Aktionen an der lokalen Kundschaft ausrichten. GEISER soll hier als Assistenzsystem für Geomarketing fungieren, welches Unternehmen in Echtzeit mit relevanten Informationen versorgt. Dafür werden viele digitale Informationsquellen – Webseiten, Online-Veranstaltungskalender, Foren, Mobilitätsdaten, (soziale) Medien, Open Data und eigene Absatz- und Kundendaten gebündelt und von der GEISER-Plattform bereitgestellt. So ist es den Unternehmen möglich, noch besser auf die Kunden einzugehen und orts- und interessenbezogene Werbung zu erstellen.

Einsatzplanung von Service-Teams und Ersatzteillogistik

Im Maschinenbausektor ist neben der Produkt- auch die Servicequalität ein wesentliches Kaufkriterium, denn sie verhindert teure Leerlaufzeiten und Produktionsausfälle. Schon heute werden massenhaft Sensordaten aus Maschinen genutzt, um drohende Störungen und Wartungsbedarfe zu prognostizieren. Der nächste Schritt ist die Verknüpfung mit der Einsatzplanung von Serviceteams und der Ersatzteillogistik. Für eine optimale Serviceabdeckung werden jedoch viele Daten mit Geobezug notwendig, die mit Sensordaten zu verknüpfen sind. GEISER soll ein Servicetechniker-Einsatzplanungssystem demonstrieren, mit dem Anfahrts- und Wartezeiten verkürzt und Serviceeinsätze qualitativ verbessert werden können.
 

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie unter www.projekt-geiser.de

 

Über das Projekt »GEISER – Von Sensordaten zu internetbasierten Geo-Services«

GEISER ist ein Anfang März 2016 gestartetes Vorhaben, in dem ein Konsortium, bestehend aus Großunternehmen sowie kleinen und mittleren Unternehmen, eine offene, cloudbasierte Plattform zur Akquise, Transformation, Speicherung, Integration, Qualitätssicherung, Verarbeitung und Auslieferung von auf Geo- und Sensordaten basierenden Diensten entwickelt. Die beteiligten Partner sind USU Software AG, Universität Leipzig, YellowMap AG, metaphacts GmbH, Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS und TomTom.

Die Entwicklung der Plattform sowie der Dienste richtet sich dabei nach den im Projekt umgesetzten drei Anwendungsfällen »intelligente Parkplatzsuche« (in Kooperation mit TomTom), »Geodaten-basierte Industriedienstleistungen« (in Kooperation mit USU Software AG) und die Orts-Zeit-bezogene Bedarfsprognose im Handel und der Gastronomie (in Kooperation mit YellowMap). Die Koordination des gesamten Projektes übernimmt die USU Software AG. Die technische Leitung unterliegt der Universität Leipzig. Datenakquise sowie -integration liegen schwerpunktmäßig bei der Universität Leipzig, Datenspeicherung und -abfrage bei metaphacts, Datenanalyse und -visualisierung beim Fraunhofer IAIS.

Das Projekt GEISER ist Teil des Technologieprogramms »Smart Service Welt«, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert wird.

 

Über Smart Service Welt

Immer mehr Produkte sind mit dem Internet verbunden und produzieren große Datenmengen, die hochautomatisiert analysiert, verarbeitet und auf neue Weise miteinander kombiniert werden können. Daraus können neue intelligente Dienste, so genannte Smart Services, entstehen. Mit dem Technologieprogramm „Smart Service Welt – Internetbasierte Dienste für die Wirtschaft“ fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) insgesamt 20 Projekte, die innovative Smart Services entwickeln. Die Förderprojekte entwickeln prototypische Lösungen, die auf der Basis vernetzter, intelligenter technischer Systeme Daten sammeln, analysieren und über Service-Plattformen, App-Stores und andere Online-Marktplätze neue Dienste bereitstellen. Neben der Förderung der Projekte werden mit begleitenden Forschungsmaßnahmen auch wichtige Fragestellungen und Herausforderungen zu Recht, Normung und Standardisierung, sicheren Plattformarchitekturen sowie digitalen Geschäftsmodellen und Plattformökonomie erörtert.

Weitere Informationen finden Sie unter www.smartservicewelt.de