Live Overlays in der Werbung

Neue Business-Modelle für die Vermarktung von Sportereignissen

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Wichtige Sportereignisse wie Welt- oder Europameisterschaften werden im Fernsehen in viele Länder übertragen. Die Übertragungsrechte und die damit verbundenen Werberechte stellen eine erhebliche Einnahmequelle dar. Ein Teil dieser Einnahmen wird durch die Werbeflächen im Sportstadion erzielt, die bei Fernsehübertragungen im Bild zu sehen sind. Bei großen Veranstaltungen werden dafür oft LED-Banden eingesetzt, die elektronisch angesteuert wechselnde und animierte Bildinhalte zeigen. Alle Fernsehzuschauer sehen die gleiche Werbung auf diesen Banden, denn das Kamerabild ist in allen Ländern identisch – ausgenommen die zusätzlichen Aufnahmen nationaler Fernsehteams. Bislang war eine länderspezifische Ausrichtung der Werbeinhalte bei einem Livekamerabild nicht möglich, zumindest nicht in einer befriedigenden Qualität.

Unsere Lösung: Virtuelle Werbung für unterschiedliche Zielgruppen

Das vom Fraunhofer IAIS entwickelte VIBA-System ermöglicht die Veränderung der Werbeinhalte von LED-Banden in Echtzeit, so dass beliebig viele TV-Streams mit jeweils unterschiedlicher virtueller Werbung erzeugt werden können. Der Zuschauer bemerkt nicht, dass er nicht das Originalbild aus dem Sportstadion sieht und in seinem TV-Bild die Bandenwerbung verändert wurde. Dies eröffnet den Werberechtevermarktern völlig neue Business-Modelle bei Sportereignissen.

Um eine Einblendung virtueller Werbung nicht nur bei LED-Panels zu ermöglichen, sind zur Zeit Systemvarianten in Planung, die auch die Inhalte bei anderen Werbeflächen ersetzen können.

Eine Bande, eine Aufzeichnung und unterschiedliche Werbung auf den Endgeräten: Die virtuelle Bandenwerbung schafft neue Möglichkeiten für die Vermarktung von Sportereignissen.

Die technischen Herausforderungen

Es gibt zwar schon länger Systeme und Verfahren, die es erlauben, nach der Aufnahme Bildinhalte von Videos so perfekt zu manipulieren, dass der Zuschauer nicht mehr unterscheiden kann, was tatsächlich zum Zeitpunkt der Aufnahme zu sehen war und was nachträglich geändert wurde. Dies ist prinzipiell auch in Echtzeit, also mit einer für den Zuschauer nicht spürbaren Verzögerung möglich, z. B. bei Aufnahmen in Virtual Studios. Allerdings herrschen dort genau definierte Umgebungsbedingungen in einem Blauraum-Fernsehstudio, die es überhaupt erst ermöglichen, dort Sendungen mit teilsynthetischen Bildern in Broadcastqualität zu produzieren.

Die Einsatzerfordernisse und Umgebungsbedingungen bei einer Live-Fußballübertragung unterscheiden sich davon völlig. Es gibt keinen einfarbigen Hintergrund des ursprünglich aufgenommenen, realen Bildes und keine gleichmäßige und kontinuierliche Ausleuchtung der Szene, die ein Chromakeying wie im Virtual Studio in guter Qualität erlauben, kaum vorhersehbare Umwelteinflüsse wie z. B. Wetter und vor allem eine Vielzahl unterschiedlicher Kameratypen, deren Position und Orientierung mit heutigen Trackingverfahren nicht in ausreichender Qualität verfolgbar sind. Ein heute für Livefernsehübertragungen einsetzbares System, das reale Bildelemente durch computergenerierte Teile in Echtzeit ersetzen kann, muss – neben anderen – insbesondere diese Probleme berücksichtigen und gleichzeitig eine broadcastfähige Bildqualität liefern. Diesen Anforderungen begegnet das VIBA-System.