Presseinformation – 5. August 2013

Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS

Informatikunterricht spannend und praxisnah – Schleswig-Holstein führt das »Roberta-Konzept« in den Schulunterricht ein

Lieblingsfächer Mathematik, Physik, Informatik – das ist für viele Mädchen und Jungen in Schleswig-Holstein vermutlich bald keine Seltenheit mehr. Mit 400.000 Euro fördert das Ministerium für Bildung und Wissenschaft des Landes Schleswig-Holstein die Einführung von Unterrichtseinheiten mit »Roberta«, einer Bildungsinitiative des Fraunhofer-Instituts für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS. In Kursen mit LEGO®-Robotern sollen Schülerinnen und Schüler – vor allem Mädchen – spielerisch Zugang zu naturwissenschaftlichen und technischen Fragestellungen erhalten. Das Konzept wird im kommenden Schuljahr im Wahlpflichtunterricht an 76 schleswig-holsteinischen Schulen eingeführt.

Komplizierte Mathematik, dunkle Industriehallen und große Maschinen – Bilder wie diese prägen oft die Vorstellung junger Frauen und Mädchen von technisch-naturwis­senschaftlichen Berufen. Kein Wunder also, dass die entsprechenden Branchen noch immer überproportional männlich dominiert sind. Um solche Barrieren abzubauen, setzt das Bundesland Schleswig-Holstein nun im Schulalter an – und zwar mit dem Roberta®-Konzept des Fraunhofer IAIS. Mit selbst gebauten und programmierten LEGO-Robotern lösen die Schülerinnen und Schüler ganz praxisnah technische und naturwissenschaftliche Fragestellungen.

»Mit der Unterstützung des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft des Landes Schleswig-Holstein ist es uns jetzt gelungen, nach Berlin, dem Saarland und Nordrhein-Westfalen das vierte Bundesland für ‚Roberta’ zu gewinnen«, betont Thorsten Leimbach, Projektleiter der Roberta-Initiative am Fraunhofer IAIS. »Die Förderung von Seiten des Landes eröffnet den Schulen die Möglichkeit, ihren Unterricht in naturwissenschaftlich-technischen Fächern zu verbessern und praxisnah zu gestalten.« Im kommenden Schuljahr wird Roberta bereits in den Wahlpflichtunterricht von 76 Regionalschulen, Gemeinschaftsschulen ohne und mit Oberstufe und Gymnasien einziehen. Das Ministerium trägt sowohl die Schulungskosten von 76 Lehrkräften als auch die Ausstattung der Roberta-Pilotschulen mit jeweils elf Roberta®-Kästen, die neben der Grundausstattung mit LEGO MINDSTORMS zusätzliche Materialien enthalten. Interessierte Schulen mit einer Sekundarstufe I konnten sich für das Projekt bewerben. Ursprünglich war geplant, zunächst mit nur 35 Pilotschulen zu starten. Aufgrund der wesentlich höheren Bewerberzahl stockte das Ministerium die Fördermittel auf.

»Wir sind beeindruckt von dem Ansturm der Bewerbungen und freuen uns, dass wir unseren Schulen ein attraktives Angebot gemacht haben«, sagt Kerstin Langer, Projektkoordinatorin von Roberta im Bildungsministerium. Zielgruppe sind hauptsächlich die Schulen, die sich bisher wenig aktiv im MINT-Bereich gezeigt haben. Aufgebaut wird ein landesweites Netzwerk aller Roberta-Pilotschulen, das vom Bildungsministerium und der federführenden Pilotschule, dem Gymnasium Elmschenhagen in Kiel, koordiniert wird.

Ausgebildet werden die Lehrkräfte durch das RobertaRegioZentrum der Fachhochschule Kiel. Unter der Leitung von Prof. Dr. Gerhard Waller werden sie dort zu Roberta-Teachern zertifiziert. In den Trainings werden sie nicht nur im Umgang mit den Materialien und Lehreinheiten geschult, sondern erhalten auch Anleitungen, um die Kurse alters- und gendergerecht zu gestalten.

Für Thorsten Leimbach sind Förderprogramme wie das in Schleswig-Holstein richtungsweisend: »Damit vor allem Mädchen sich im technischen Umfeld frei entfalten können, müssen ihnen unabhängig von Rollenerwartungen alle Türen offengehalten werden. Dazu leistet die Einbindung von gendergerechten Kursen in den Schulunterricht einen wichtigen Beitrag.« Konzepte wie die Roberta-Initiative zeigen, dass es besonders bei Mädchen nur eine Frage der Vermittlung ist, die Barrieren zur Technik zu durchbrechen und die Begeisterung für naturwissenschaftlich-technische Berufe zu fördern.