Process Intelligence in Business Informatics
Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS

Process Intelligence in Business Informatics
Die Informationsverarbeitung basiert auf dem Dualismus von Daten und Prozessen. Process Intelligence (PI) fokussiert hierbei im Gegensatz zu anderen Ansätzen, wie z.B. Data Mining, primär auf die Untersuchung aller Aspekte der Prozesse. Hierbei wird der Prozessbegriff umfassend verstanden und bezieht sich auf alle Aspekte eines Systems sowie auf alle Faktoren, die wesentlichen Einfluss auf Struktur und Funktion der Prozesse haben. Im Falle von Unternehmen bedeutet dies eine ganzheitliche Sicht vieler Faktoren, wie z.B.: Produkt- und Kundenverständnis, IT, Mitarbeiter, Finanzen, Produktion, Vertrieb, Logistik, usw.
Process Intelligence untersucht Prozesse auf zwei Ebenen:
Operative Ebene
Die Operative Ebene umfasst alle Fragestellungen zu Entwurf, Umsetzung, Betrieb und Fortschreibung der konkreten Prozesse für den operativen Einsatz.
Wichtige Fragen sind:
- Was sind die optimalen Prozesse für das System?
- Welche Prozesse laufen in einem real existierenden System ab?
- Wie passe ich die Prozesse am besten an eine sich verändernde Umwelt/Fragestellung an?
Wichtige Themen sind:
- Engineering von Prozessen zum Neubau und Anpassen von Prozessen.
- Re-Engineering von Prozessen durch manuelle und automatische Methoden zur Aufnahme von realen Prozessen.
- Controlling von Prozessen mit wichtigen Teilfragestellungen wie Bestimmten von optimalen KPI, Verbessern von Robustheit, Erreichen von Operational Excellence sowie IT-Portfolio-Management.
- Optimieren von Prozessen durch automatische und manuelle Methoden (wie z.B. Kaizen oder CMMI)
- Simulation von Prozessen zur Beurteilung der Qualität, zur Optimierung, zur Schulung, zur Entscheidungsunterstützung .
- Permanente Fortschreibung der Prozesse mit Hilfe (vom Innovationsmanagement bis zum Rollout) von Process Lifecycle Management.
Meta- oder Organisationsebene
Das Organisationsverständnis des Systems (z.B. eines Unternehmens) prägt ganz wesentlich die Struktur der Prozesse und die generellen Regeln für deren LifeCycle von Erstellung über Betrieb bis hin zu Fortschreibung.
Wichtige Fragen sind:
- Welche Konstruktionsprinzipien sollen für die Prozesse gelten?
- Was ist die optimale Prozess-Struktur für das aktuelle System?
- Wie wirkt die Organisationsstruktur auf die Prozesse?
- Welche Klassen, Prozessmodelle und Organisationsstrukturen gibt es?
- Wie lassen sich Prozessänderungen in real existierenden Systemen optimal durchführen?
Wichtige Themen sind:
- Multidimensionale Unternehmens- (System-) Modelle, die viele Faktoren wie IT, Kunden, Produkte, Technik, Mitarbeiter, Umwelt etc. in ein Gesamtprozessmodell integrieren. Diese Modelle dienen zur Analyse von Zusammenhängen, zur Verbesserung von Wertschöpfungsketten, zur Darstellung von alternativen Prozess- und Organisationsmodellen sowie zum Evaluieren von Change-Strategien für Prozesse und Organisation.
- SOA-Konzepte der klassischen Service-orientierten Ansätze im Bereich Software, Prozesse und Organisation.
- Post-SOA-Konzepte, die Defizite des SOA Vorgehensmodells durch neue Konzepte adressieren. Hierzu zählen insbesondere Konzepte wie Service-Oriented-Enterprise oder Factory- und Fractal-Factory-Konzepte.
- Standard Prozess Frameworks, wie z.B. ITIL oder CMMI, sowie die Frage welchen Nutzen/Effekt/Verlust der Einsatz von Standards im Vergleich zu Individual-Lösungen bietet.
- IT Governance Modelle, insbesondere die Frage der Effektivität und Operationalisierbarkeit bestimmter Modell.
- Change Management zur Erreichung von nachhaltigen Prozess und Strukturänderungen bei vertretbarem Risiko und akzeptablen Kosten.
Process Intelligence untersucht die oben beschriebenen Fragen sowohl an abstrakten, artifiziellen Systemen als auch an real existierenden Systemen wie Unternehmen, Umweltprozessen, politischen und sozialen Systemen. Typische Anwendungsfelder sind:
- Verständnis und Optimierung von Unternehmen und öffentlichen Institutionen (Geschäftsfeld Process Intelligence)
- Verbesserung der Sicherheit von technischen, gesellschaftlichen und sozialen Systemen (Geschäftsfeld Preventive Security)
- Verbesserung der nachhaltigen Nutzung von Umwelt und Ressourcen
Process Intelligence besitzt eine inhaltlich Überdeckung mit Ansätzen aus vielen anderen Gebieten, wie z.B. Business Intelligence, Kommunikationstheorie, Micro Ökonomics, System Dynamics... und versucht diese in einer größeren gesamtheitlichen Sicht zu interpretieren. Hierbei liegt ein besonderes Augenmerk auf der Untersuchung der Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen lokalen Modellen der oben genannten Gebiete.


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