Das Digitale Beethoven-Haus

Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS

DBH - Das Digitale Beethoven-Haus

Beethoven-Portrait von Joseph Karl Stieler, 1820

Das Geburtshaus Ludwig van Beethovens ist der Anziehungspunkt der Stadt Bonn, da es die weltweit größte und wertvollste Beethoven-Sammlung beherbergt. Authentische Dokumente veranschaulichen hier einzigartig das Leben und Schaffen des Komponisten.

Ein Großteil der Originale muss im Tresor aufbewahrt werden. Das Projekt "Das Digitale Beethoven-Haus" unterstützt die Bewahrung dieses Kulturerbes durch den Einsatz digitaler Medien und macht es durch das Internet und den Einsatz virtueller Umgebungen für die weltweite Öffentlichkeit und die Wissenschaft besser zugänglich.

Ergebnis

Das Projekt besteht aus drei tragenden Säulen:

  • Digitales Archiv
  • Inernetpräsenz
  • Bühne für Musikvisualisierung

Digitales Archiv

Liste im Digitalen Archiv

Das Digitale Archiv enthält eine Bibliothek, die alle wichtigen Sammlungsobjekte zeigt. 26.000 Seiten wurden in einem aufwendigen Verfahren digitalisiert: Musikhandschriften, Briefe und Erstausgaben Beethovens, Darstellungen von ihm und wichtigen Personen aus seinem Leben; insgesamt umfasst dies 5.000 Dokumente. Sie werden gemeinsam mit ihren beschreibenden Metadaten erstmalig weltweit verfügbar gemacht.

Die Originaldokumente wurden in einem hochwertigen Digitalisierungsprozess gescannt, der durch den Einsatz eines Farbmanagements zu einer herausragenden Komponisten bezogenen farbigen Quellensammlung führte.
Bilder, Musikbeispiele und Metadaten werden im Internet kostenlos angeboten. Der Besucher hat hier die Möglichkeit, sich die Sammlungsobjekte in unterschiedlichen Auflösungen, also unterschiedlichen Bildqualitäten, anzusehen. Darüber hinaus hat ein Besucher des "Digitalen Beethoven-Hauses" vor Ort in Bonn die Chance, sich die Objekte in hoher Auflösung, und somit in ausgezeichneter Wiedergabequalität anzusehen oder zu hören und/oder sich diese zu bestellen.
Im Digitalen Archiv hat der Internet-Besucher die Möglichkeit, auf verschiedene Listen (z.B. Werke Beethovens, Skizzen Beethovens, Schriftdokumente etc.) zuzugreifen. Nach weiterer Auswahl gelangt dieser z.B. zu einem bestimmten Werk, erfährt etwas über seine Entstehungsgeschichte und kann sich alle im Beethoven-Haus dazu vorliegenden Dokumente (Erstausgaben, Schriftdokumente) mit Zusatzinformationen ansehen. Eine Hörprobe rundet den Eindruck des Werkes ab.
Der Zugang zu Beethovens Werken, sowohl in visueller als auch akustischer Form erlaubt es dem Benutzer, wertvolle Einblicke in Beethovens Leben und Werk zu nehmen. Dies ist nicht nur durch Beethovens Kompositionen möglich, sondern auch durch seine zahlreiche Korrespondenz. In verlesenen Briefen zeigt sich die Welt des Künstlers aus damaliger Sicht.

Internetpräsenz

Einstieg ins Museum
Einstieg ins Museum

Die zweisprachige Internet-Präsenz bietet Informationen zum Museum, zu den Veranstaltungen im eigenen Kammermusiksaal, zum Verein Beethoven-Haus Bonn, zum Shop, zum Verlag, zur Forschungsabteilung, zur Bibliothek, zur Bühne und zum Digitalen Archiv an.

Seit dem 15.5.2002 ist das Beethoven-Haus mit seiner aktuellen Internet-Präsenz online. Seit diesem Datum wächst der Umfang der Website beständig an. So gibt es seit dem Frühjahr 2004 auch eine englischsprachige Version des Internet-Auftrittes.
Das Beethoven-Haus ist mit allen Abteilungen im Internet vertreten. Es liegen Informationen zum Museum, zur Forschungsabteilung, zur Bibliothek, zum Kammermusiksaal, zum Verlag, zum Verein, zum Shop und den neuen Bereichen Digitales Archiv und Bühne für Musikvisualisierung vor.

Eine besondere Empfehlung für den Besuch der Online-Präsenz ist die Betrachtung der Internet-Ausstellungen. Die Ausstellung zu Beethovens Wohnhäusern lädt dazu ein, Beethoven in wichtigen Stationen seines Lebens zu begleiten. Die Ausstellung zur Mondscheinsonate gibt wertvolle Hintergrundinformationen zum Werk, seiner Entstehung und seiner Bezeichnung.

Bühne für Musikvisualisierung

Ein Original-Brief Beethovens aus dem Jahre 1820
Ein Original-Brief Beethovens aus dem Jahre 1820

Auf der Bühne für Musikvisualisierung, die im Nachbargebäude des Geburtshauses in Bonn untergebracht ist, werden Leben und Werk Beethovens in Form einer virtuellen Welt für die Besucher erfahrbar gemacht. Umgesetzt werden soll dies durch die Installation eines Virtual Reality Systems (Powerwall). Als Weltpremiere wird eine Oper des klassischen Repertoires in einer virtuellen Umgebung visualisiert.

Als dritter Präsentationsbereich im Beethoven-Haus entsteht neben dem Museum und dem Kammermusiksaal im Digitalen Beethoven-Haus eine Bühne für Musikvisualisierung. Dort wird das Werk Beethovens mit den Mitteln der Neuen Medien erstmals in einem Virtual Environment experimentell ausgelotet. Grundgedanke ist es dabei, ausgewählte Kompositionen mit Hilfe von dreidimensionaler Computergrafik, 3D-Sound-Wiedergabe sowie der Möglichkeit zur Interaktion so zu visualisieren, dass dem Besucher mit der Musik auch musiktheoretische, dramaturgische, inszenierungs- und kulturhistorische Strukturen des Beethovenschen Œuvres zugänglich gemacht werden.

Eröffnet wird der Salon mit einer Inszenierung der Oper 'Fidelio' nach dem Konzept und unter der Regie von Johanna Dombois (Technische Realisierung: vertigo systems gmbh, rmh new media gmbh). Erstmalig wird hier eine historische Oper mit den Möglichkeiten und Bedingungen der Neuen Medien konfrontiert. Inszenierungsgrundlage ist dabei, die virtuelle Musikvisualisierung als eine Form des Neuen Musiktheaters vorzustellen. Technische Möglichkeiten sollen nicht nur dargestellt, sondern auf inhaltlicher Ebene auch sorgfältig hinterfragt werden.

Unter der Voraussetzung, dass sich hier für 'Fidelio, 21. Jahrhundert' natürlich die bindenden Vorgaben einer Opernpartitur und -handlung verknüpfen sollen mit der Zugabe, dem Besucher interaktive Eingriffe in die Figurenführung zu erlauben, sieht die Inszenierung keine mimetisch naturalistischen, sondern abstrakte Opernfiguren vor. Diese Figuren werden in Anlehnung an die orchestrale und gesangliche Grundenergie des 'Fidelio' als individuelle Kräftefelder verstanden, die sich zueinander in Bewegung setzen. Vorchoreographiert durch musikalische und dramaturgische Parametrisierung können diese Figuren interaktiv in Szene gesetzt werden und dennoch zehntelsekundengenau dem musikalischen und dramaturgischen Stand der historischen Opernhandlung entsprechen. Jedem Besucher wird die Gelegenheit gegeben, seine eigene Handschrift in die Figuren einzuschreiben, ohne dass doch die inneren Gesetze des Beethovenschen 'Fidelios' preisgegeben werden müssen.

Technik

Logo Digitales Beethoven-Haus
  • Digitalisierung: 4-6 Terabyte Datenvolumen, Cruse Scanner System CS 145 P 220, max. opt. Auflösung 7.000 x 10.000 Pixel, Digitalisate: 400-600 dpi opt. Auflösung, 48 Bit Farbtiefe
  • Online-Präsenz: Web Content Management System: SixCMS der Fa. Six Offene Systeme GmbH, Stuttgart
  • Virtuelle Installation: Powerwall an der hinteren Querseite des Gewölbes, Bildgenerierung mittels eines PC-Cluster Systems, Aufprojektion mit 2 Beamern, Passiv-Stereo (Polarisationsbrillen)

Anwendungen

Virtuelle Museen und Ausstellungen, Digitale Bibliotheken/Museen/Archive, WWW Multimedia-Datenbank, Web Content Management, Virtuelle Realität, Internet-Technologien

Projektpartner

Förderer

Das »Digitale Beethoven-Haus« entstand aus einer Kooperation des »Beethoven-Hauses Bonn« und des Fraunhofer-Instituts für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS. Es wurde gefördert durch die Stadt Bonn und das Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützte Teile der Digitalisierung im Rahmen des Programms »Retrospektive Digitalisierung von Bibliotheksbeständen« im Förderbereich »Verteilte Digitale Forschungsbibliothek«.

Laufzeit

2001 - 2004

Dokumente

 Projektblatt [ pdf 103,44 KB ]
 Überblick Flash [ swf 152,46 KB ]