DIESIS

Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS

Design of an Interoperable European federated Simulation network for critical InfraStructures

Die europaweit wachsende Abhängigkeit von kritischen Infrastrukturen wie Energieversorgung, Telekommunikation, Transportwesen oder Wasserstraßen birgt auch Risiken von internationalem Ausmaß. Katastrophen, menschliches Versagen oder technische Störungen der Informationstechnik und Telekommunikation können große Regionen von lebenswichtigen Infrastrukturen abschneiden. Zur Vorbeugung hat die Europäische Union das Forschungsprojekt Design of an Interoperable European federated Simulation network for Critical Infra-Structures DIESIS unter Federführung des Fraunhofer-Instituts für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS gestartet.

Weil immer mehr lebenswichtige Infrastrukturen in Europa vernetzt sind, steigt nicht nur ihre Komplexität, sondern auch das Risiko von Schadensfällen europaweiten Ausmaßes. Experten warnen vor der Gefahr, dass sich der Ausfall einer Infrastruktur europaweit auf weitere Infrastrukturen ausdehnen kann – und dies mit kaum noch kontrollierbaren Auswirkungen.

Im November 2006 kam es zu einem europaweiten Störfall – Teile von Deutschland, Frankreich, Belgien, Italien, Österreich und Spanien waren bis zu 120 Minuten ohne Strom. Auslöser war die mangelhaft vorbereitete zeitweilige Abschaltung einer in Deutschland betriebenen 380-kV-Hochspannungsleitung.

Um derartigen Risiken vorzubeugen, gilt es zunächst, die Schwachstellen abhängiger kritischer Infrastrukturen in Europa und die daraus resultierenden Anfälligkeiten gegenüber bestimmten Störfall- oder Bedrohungsszenarien zu analysieren. Denn das Verständnis der europaweiten Infrastrukturen mit all ihren geographischen und sektorspezifischen Abhängigkeiten und Wechselwirkungen ist noch unausgereift. Um die bestehenden Schwierigkeiten zu überwinden, bedarf es der Untersuchung dieser komplexen Infrastruktursysteme. Dies erfordert gemeinsame Anstrengungen der interdisziplinären Forschung sowie der beteiligten Interessensgruppen aus der Wirtschaft und anderen verantwortlichen Organisationen.

Die Forschung im Bereich komplexer Infrastruktursysteme ist darauf angewiesen, Modelle und Simulationsumgebungen als Hilfsmittel zu verwenden, da Untersuchungen oder Erprobungen von neuen Techniken aus Sicherheitsgründen nicht an den im Betrieb befindlichen Kontrollsystemen durchgeführt werden können. Für einzelne Infrastrukturen gibt es bereits sehr gute Simulatoren, jedoch gibt es bisher keine, die geeignet sind, eine koordinierte und sektorübergreifende Simulation von mehreren voneinander abhängigen Infrastrukturen zu leisten. Aufgabe und Ziel des Projekts DIESIS ist es nun, eine europaweit standardisierte Plattform für die Modellierungs- und Simulationsaufgaben zu konzipieren, die die Grundlage für eine grenzübergreifende Erforschung von Sicherheitsaspekten der kritischen europäischen Infrastrukturen bildet. Die Plattform soll im Rahmen eines später einzurichtenden »Europäischen Zentrums für die Simulation und Analyse kritischer Infrastrukturen EISAC« bereitgestellt werden.

Zu den potenziellen Nutzern des EISAC gehören neben einschlägigen Forschungsgruppen auch staatliche Sicherheitseinrichtungen, Forschungsabteilungen in Unternehmen, die kritische Infrastrukturen betreiben sowie weitere industrielle Interessenvertreter.

Das DIESIS-Konsortium besteht aus fünf Projektpartnern, neben dem Fraunhofer IAIS sind dies Ente per le Nuove Tecnologie, l‘Energia e l‘Ambiente ENEA (Italien), Consorzio Campano di Ricerca per l’Informatica e l‘Automazione Industriale CRIAI (Italien), TNO (Niederlande) sowie das Imperial College in London. Das Projekt wird innerhalb des 7. EU-Forschungsrahmenprogramms teilfinanziert.

Weitere Informationen

www.diesis-project.eu